Bibliothek

in der Sternwarte

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Bestandsgeschichte
Der Grundbestand der Institutsbibliothek (ca. 1200 Bde) stammt aus dem Privatbesitz des Astronomen und Gründers der Sonneberger Sternwarte (Grundsteinlegung im Dezember 1925) Cuno Hoffmeister (1892-1968). Die Sternwarte erlangte internationale Anerkennung auf dem Forschungsgebiet der Veränderlichen Sterne. Hier wurden mehr als 11.000 Veränderliche Sterne entdeckt (über ein Viertel der gegenwärtig bekannten Objekte dieser Art). Neben der Fachbibliothek
gibt es ein Photo-Archiv, das das photographisch gewonnene Beobachtungsmaterial (über 275.000 Himmelsaufnahmen) aufbewahrt.

Die Entwicklung des unmittelbar der Forschung dienenden Bibliotheksbestandes wurde durch den häufigen Wechsel des Unterhaltsträgers beeinflußt. Von der Stadt Sonneberg ging die Sternwarte 1937 durch Verkauf an den preußischen Staat über
und wurde als selbständige Abteilung Sonneberg der Universitäts-Sternwarte in Berlin-Babelsberg zugeordnet. Im Oktober 1946 wurde das Institut durch die Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin übernommen. Von 1992 bis Ende 1994 war die Sternwarte Außenstelle der Thüringer Landessternwarte Tautenburg. Danach war sie neun Monate lang geschlossen. Am 1. Oktober 1995 nahm sie ihre Arbeit wieder auf. Träger ist ein aus Stadt und Landkreis Sonneberg gebildeter
Zweckverband.

Neben der aktuellen Literatur wurden auch ältere Werke erworben, vorwiegend aus Nachlässen. 1942 gelangten die ca. 1000 Bde der astronomischen Bibliothek des Herzogs Ernst von Sachsen-Altenburg (1871-1955), z. T. aus Familienbesitz und anderen Provenienzen ( z. B. Sternwarten Belkawe bei Breslau und Bothkamp in Holstein), aus der Sternwarte Wolfersdorf bei Stadtroda (Schloß Fröhliche Wiederkunft) nach Sonneberg.


Bestandsbeschreibung
Der (am Regal handschriftlich erfasste) Gesamtbestand umfasst 18.000 Bde. Davon sind 1500 Bde (8,3 Prozent) historischer Bestand (einschließlich Kleinschrifttum wie Sonderdrucke u. ä.), bestehend aus 35 Bdn (2 Prozent) aus dem 18. Jh und 1465 Bdn (98 Prozent) aus dem 19. Jh. Davon sind 1120 Bde (75 Prozent) in deutscher, 185 (12 Prozent) in englischer, 105 (7 Prozent) in französischer und 45 (3
Prozent) in lateinischer Sprache sowie 45 (3 Prozent) in sonstigen Sprachen.

Der Bestand verteilt sich auf die Fachgebiete Astronomie und Astrophysik (885 Bde, 58 Prozent), Physik (70 Bde, 5 Prozent), Mathematik (391 Bde, 26 Prozent), Meteorologie (55 Bde, 4 Prozent) und angrenzende Gebiete (99 Bde, 7 Prozent). Für das 20. Jh ist die astrophysikalische Literatur auf dem Gebiet der Veränderlichen Sterne nahezu vollständig vorhanden (bis zum Beginn der neunziger
Jahre).

Die frühesten in der Bibliothek vorhandenen Schriften stammen von dem Mathematiker und Philosophen Christian Wolff, Tabulae Sinuum ... (Halle und Magdeburg 1728) und Auszug aus den Anfangs-Gründen aller Mathematischen Wissenschaften (Frankfurt und Leipzig 1755). Von der epochemachenden Introductio in analysin infinitorum (Lausanne 1748) des Mathematikers und Physikers Leonhard Euler (1707-1783) findet sich auch die deutsche Erstausgabe in der Bibliothek (Einleitung in die Analysis des Unendlichen, übersetzt von J. A. C. Michelsen,
Berlin 1788-1791). Sie stammt aus dem Besitz des Physikers Georg Simon Ohm (1787-1854), der die Bände mit handschriftlichen Notizen versah. Wahrscheinlich gelangten sie über den Nachlaß des Meininger Rechnungsrates und Astronomen Max Blum (1847-1917), der 1921/22 durch Vermittlung der Meininger Gebietsregierung von Cuno Hoffmeister erworben wurde, in den Bestand. Eulers Briefe über
verschiedene Gegenstände der Naturlehre (Leipzig 1792-1794) sind ebenfalls vorhanden. Zu nennen sind auch die Cosmologischen Briefe über die Einrichtung des Weltbaus von Johann Heinrich Lambert (Augsburg 1761). Der 1776 in Paris erschienene, von M. F. Fortin bearbeitete Atlas céleste ist als die kleinere Ausgabe des großen, auf John Flamsteed (1646-1719) zurückgehenden Atlas coelestis (London 1727) der älteste von den zahlreich in der Sonneberger Sternwarte vorhandenen Himmelsatlanten.

Ein Exemplar des sogenannten " Nebelkataloges" (Catalogue of nebulae and clusters of stars) von John Frederick William Herschel (1792-1871), der 1864 als Sonderband der von der Royal Society of London herausgegebenen Philosophical Transactions erschien, wurde aus der Wolfersdorfer Sternwarten-Bibliothek übernommen (Vorbesitzerin war die heute nicht mehr existierende holsteinische Sternwarte Bothkamp). Ein zweites Exemplar entstammt dem Privatbesitz Cuno Hoffmeisters. Die ursprünglich von Friedrich Wilhelm Argelander (1799-1875) und
Eduard Schönfeld (1828-1891) herausgegebene Bonner Durchmusterung des nördlichen Sternhimmels, bestehend aus Atlanten und Katalogen, ist in mehreren Ausgaben vorhanden, darunter auch die seltene erste von 1860. Dieses weit mehr als 100.000 Sterne erfassende Werk wurde von Cuno Hoffmeister mit größter Genauigkeit vollständig abgezeichnet. Die 104 Blätter (im Format 35 x 45 cm) zählen zu den Kostbarkeiten der Bibliothek.

Von den Zeitschriftenreihen sind u. a. die Memoirs of the Royal Astronomical Society of London (1822-1978), die Astronomischen Nachrichten (seit 1823), das Berliner Astronomische Jahrbuch (1830-1959) und die Vierteljahresschrift der Astronomischen Gesellschaft (1866-1944) nahezu vollständig im Bestand. Erwähnt
sei auch das amerikanische Astrophysical Journal (seit 1895). Die wichtigsten Institutsveröffentlichungen des 19. Jhs von Sternwarten wie Greenwich, St. Petersburg und Königsberg finden sich ebenfalls in Sonneberg.

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