Heute vor ...
Wichtige Ereignisse aus Astronomie, Forschung und Raumfahrt
Start von Raumsonde Deep Impact
Deep Impact (dt. ‚heftiger Einschlag‘, aber auch ‚starker Eindruck‘) ist eine NASA-Mission des Discovery-Programms zum Kometen Tempel 1.
Das Hauptmissionsziel von Deep Impact war die Erforschung des Inneren des Kometen Tempel 1. Dazu wurde ein 372 kg schweres Projektil (Impaktor) in die Flugbahn des Kometen gebracht, das auf dem Kometen einschlug und dort einen Krater hinterließ. Anschließend wurde das herausgeschleuderte Material mit den Instrumenten der Sonde sowie mit weiteren Teleskopen auf der Erde und im Weltraum untersucht.
Erstmals bestand so die Möglichkeit, den Blick auf das Innere eines Kometen freizugeben und das sich im Kometen befindliche Urmaterial des Sonnensystems freizusetzen. Dieses Material stammt noch aus der Zeit der Entstehung des Sonnensystems und bildet die Kerne von Kometen. Wissenschaftler hoffen, durch diese neue Sicht nicht nur die Kometen besser verstehen, sondern auch die Rolle der Kometen in der frühen Geschichte des Sonnensystems besser nachvollziehen zu können.
Nach fast neun Jahren im All hat die NASA die Mission ihrer Sonde Deep Impact offiziell für beendet erklärt. Der letzte Kontakt mit der Sonde gelang am 8. August 2013.
Ihr eigentliches Missionsziel hatte Deep Impact bereits nach wenigen Monaten erreicht: Die im Januar 2005 gestartete Sonde schoss im Juli des gleichen Jahres ein Projektil auf den Kometen Tempel 1 und beobachtete die Folgen des Einschlags.
16 Tage nach der Kometenbegegnung wurde die Sonde dann auf einen neuen Kurs gelenkt, um weitere Kometen untersuchen zu können. So flog sie Anfang November 2010 an Hartley 2 vorüber und beteiligte sich im Januar 2012 aus der Ferne an einer Beobachtungskampagne des Kometen C/2009 P1 (Garradd). Zu Beginn des Jahres 2013 lieferte die Sonde schließlich noch Bilder des Kometen ISON.
Start von STS-81 (Spaceshuttle Atlantis)
Beim fünften Flug der Raumfähre Atlantis zur Raumstation Mir standen Materialtransport und der Wechsel eines Besatzungsmitgliedes im Mittelpunkt. Wissenschaftliche Forschungen betrafen die Gebiete Technologie, Erderkundung, Biologie, Medizin, Mikrogravitation und Raumforschung. Einige Experimente befanden sich im Mitteldeck der Fähre, andere waren in einem Spacehab-Doppelmodul untergebracht.
Die ersten Tage waren die Besatzungsmitglieder vor allem mit der Aktivierung der Bordsysteme des Spacehab, dem Betanken der Wasserkanister für die Raumstation Mir und der Vorbereitung des Docking-Manövers beschäftigt. Dabei wurde auch das Navigationssystem kalibriert und ein Laser-Entfernungsmesser getestet. Des Weiteren wurde ein Laufband getestet, welches später in der Internationalen Raumstation ISS eingesetzt werden sollte.
Nach der Kopplung zwischen Atlantis und Mir wurden 700 Liter Wasser, 1806 kg wissenschaftliches Material und Ausrüstungsgegenstände in die Station sowie 1181 kg Forschungsmaterial, darunter biomedizinische Proben, eine Bioprozess-Einheit, ein Experiment zum Züchten von Knorpelzellen und im Weltraum gewachsene Weizenpflanzen, in die Atlantis transportiert.
Die Atlantis landete nach zehntägigem Flug auf einer Betonpiste in Cape Canaveral.
Ankunft am Ziel: SPARTAN 206
SPARTAN 206 wurde vom Office of Aeronautical and Space Technology (OAST) der NASA ausgerüstet und deshalb auch „OAST Flyer“ genannt. Die Plattform wurde während der Mission STS-72 im Januar 1996 ausgesetzt. Es wurden Experimente zur Verunreinigung durch Raumfahrzeuge auf niedrigen Umlaufbahnen und die Auswirkung der Sonnenstrahlung auf Explosivstoffe an Bord von Satelliten durchgeführt sowie GPS-Ausrüstung getestet.
SPARTAN (englisch Shuttle Pointed Autonomous Research Tool for Astronomy) ist eine Serie freifliegender Satelliten, die einen Instrumententräger zum Aufbau unterschiedlicher Experimente bieten.
Die Entwicklung von SPARTAN basiert auf der Idee, eine einfache und preisgünstige Plattform für verschiedene Experimente im Weltraum zu schaffen, die so nicht auf dem Space Shuttle durchgeführt werden können. SPARTAN wurde in der Ladebucht der Raumfähre in die Erdumlaufbahn transportiert, dort für zwei bis drei Tage ausgesetzt, wieder geborgen und zur Erde zurückgebracht. Insgesamt wurden sechs verschiedene Exemplare gebaut.
Start von STS-61-C (Spaceshuttle Columbia)
Die Mission STS-61-C hatte die Aufgabe, den Kommunikationssatelliten SATCOM KU-1 in seine Umlaufbahn zu bringen. Ein Programm zur Beobachtung des Kometen Halley konnte wegen Batterieproblemen der Kamera nicht wie vorgesehen durchgeführt werden. An Bord des Shuttle befanden sich zudem weitere Experimente, davon drei im Rahmen des Studentenprogramms SSIP der NASA.
Die Landung war ursprünglich auf dem Kennedy Space Center in Florida für den 17. Januar vorgesehen. Die Missionsleitung entschied sich angesichts der Verzögerungen beim Start für eine Verkürzung der Mission um einen Tag, damit sollte Zeit für die Unterhaltsarbeiten zwischen den Flügen gewonnen werden. Die Wetterlage in Florida ließ jedoch eine Landung weder am 16. Januar noch an den beiden folgenden Tagen zu. Schließlich landete die Raumfähre nach einer zusätzlichen Erdumrundung auf der Edwards Air Force Base in Kalifornien.
starb Ludwig Biermann
Biermann wurde 1932 in Göttingen mit einer Arbeit über Konvektionszonen im Innern der Sterne promoviert. Nach dem Studium arbeitete er auf dem Gebiet der Astrophysik und Plasmaphysik. Am Max-Planck-Institut für Physik und Astrophysik in München war er Direktor; von 1951 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1975 war er "Wissenschaftliches Mitglied" der Max-Planck-Gesellschaft. Sein Hauptgebiet war die theoretische Astrophysik, und hier speziell der Aufbau der Sterne.
Biermann sagte 1951 die Existenz des Sonnenwinds voraus, der erstmals 1959 nachgewiesen wurde. Er stützte diese Theorie auf die Ausrichtung der Gasschweife der Kometen, welche auf den Sonnenwind zurückzuführen sei. Weiterhin beschäftigte er sich mit Anwendungen der Plasmaphysik und Elektrodynamik auf astrophysikalische Probleme, der Theorie der kontrollierten Kernfusion und der kosmischen Strahlung.
Ankunft am Ziel: Sojus 17
Schwerpunkt der Arbeit waren astronomische und astrophysikalische Untersuchungen. Dabei musste der Spiegel des Hauptinstruments zur Sonnenbeobachtung neu beschichtet werden.
Die Bahnhöhe der Saljut 4 betrug ca. 350 km über der Erde (günstig in Bezug auf astronomische Beobachtungen), daher waren Manöver zur Annäherung an die Station nötig.
Mit einer Flugdauer von 29 Tagen wurde ein neuer sowjetischer Langzeitrekord aufgestellt.
wurde Sergei Nikolajewitsch Rewin geboren
Nach dem erfolgreichen Abschluss der Weiterführenden Schule Nr. 763 in Moskau 1983 studierte Rewin am Moskauer Institut für Elektronische Technologie bis 1989 Automatisierung und Elektronik. Von 1989 bis 1993 arbeitete er als Ingenieur in der Forschungs- und Produktionsgesellschaft für Messtechnologie (NPO IT) in Koroljow. Im August 1993 wechselte er in das Hauptkonstruktionsbüro des Raumfahrtkonzerns NPO Energija.
Am 9. Februar 1996 wurde Rewin als Kosmonautenkandidat RKK Energijas ausgewählt, die Ausbildung begann am 3. Juni 1996. Der Abschluss seiner Grundausbildung verzögerte sich aufgrund von medizinischen Problemen mit seinem Gleichgewichtsorgan um drei Monate bis zum 17. Juni 1998. Anschließend arbeitete er im ISS-Programm. Das Überlebenstraining für eine Notlandung mit einer Sojuskapsel absolvierte er zusammen mit Charles Simonyi und Oleg Artemjew im Januar 2007 in einem Waldstück bei Moskau.
Die Notwasserung der Landekapsel probte er im Juni 2008 in Sewastopol zusammen mit Oleg Nowizki und Jelena Serowa. Danach befand er sich im Training für einen Langzeitaufenthalt auf der Internationalen Raumstation, u. a. war er Ersatzmann für Anatoli Iwanischin für dessen Flug als Bordingenieur der Mission Sojus TMA-22 zur ISS.
Rewin war schon im Oktober 2009 als Bordingenieur für die ISS-Expeditionen 29 und 30 nominiert, wurde dann aber durch Iwanischin ersetzt. Rewin wurde dann an Stelle von Konstantin Walkow als Bordingenieur der ISS-Expeditionen 31 und 32 nominiert.
Der Start zur ISS erfolgte am 15. Mai 2012 zusammen mit Gennadi Padalka und Joseph Acaba mit dem Raumschiff Sojus TMA-04M. Die Landung erfolgte am 17. September 2012.
wurde Michel Mayor geboren
Mayor studierte Physik an der Universität Lausanne und wurde 1971 am Observatorium Genf im Fachbereich Astronomie promoviert. Er blieb mit Ausnahme von Aufenthalten am Observatorium Cambridge, an der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile und am Observatorium Hawaii bei dieser Institution beschäftigt.
Von 1989 bis 1992 präsidierte er den Wissenschaftlichen Beirat der ESO, von 1988 bis 1991 die Kommission zur galaktischen Struktur bei der Internationalen Astronomischen Vereinigung und von 1990 bis 1993 die Schweizerische Gesellschaft für Astrophysik und Astronomie. Er ist seit 1984 Professor an der Universität Genf und mit seiner Emeritierung 2007 ebenda Honorarprofessor.
Mayor entwickelte die Spektrographen ELODIE (51pegb), CORALIE und HARPS, mit denen mehr als 500 Exoplaneten entdeckt wurden. Seit der Entdeckung von 51 Pegasi b war Michel Mayor mit seinem Forscherteam an vielen weiteren extrasolaren Planetenentdeckungen beteiligt.
Er ist verantwortlich für die Entdeckung des ersten extrasolaren Planeten in einem Orbit um einen sonnenähnlichen Stern, was als Meilenstein in der Geschichte der Astronomie gilt und mit einem Nobelpreis gewürdigt wurde.
Unter Mithilfe seines Doktoranden Didier Queloz konnte er 1995 mittels eines hochauflösenden Spektrographen einen um 51 Pegasi rotierenden, jupiterähnlichen Planeten nachweisen.
2013 wird ein Asteroid nach ihm benannt: (125076) Michelmayor.
starb Hermann Minkowski
Minkowski besuchte ab 1872 das Altstädtische Gymnasium Königsberg. Schon als Gymnasiast las er Gauß, Dirichlet und Dedekind und erregte die Aufmerksamkeit des Königsberger Professors Heinrich Weber. 1880 erhielt er schon als Fünfzehnjähriger das Reifezeugnis. Danach studierte er ab 1880 fünf Semester an der Universität von Königsberg. Weitere drei Semester studierte Minkowski in Berlin.
1902 übernahm er einen Lehrstuhl in Göttingen, den er bis zu seinem Tode innehatte. In Göttingen begann er sich für mathematische Physik zu interessieren und beschäftigte sich mit der damals aktuellen Theorie der (gerade neu entdeckten) Elektronen und mit Problemen der Elektrodynamik.
Um 1907 erkannte Minkowski, dass die Arbeiten von Hendrik Antoon Lorentz (1904) und Albert Einstein (1905) zur Relativitätstheorie in einem nicht-euklidischen Raum verstanden werden können. Er vermutete, dass Raum und Zeit in einem vierdimensionalen Raum-Zeit-Kontinuum miteinander verbunden sind und verfasste Abhandlungen über eine vierdimensionale Elektrodynamik. Minkowski hielt darüber 1908 den aufsehenerregenden Vortrag Raum und Zeit auf der Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte.
Seine Ideen zum Raum-Zeit-Kontinuum verwendete Einstein, der zu Beginn dem vierdimensionalen Ansatz von Minkowski ablehnend gegenüberstand, später in seiner allgemeinen Relativitätstheorie. Der Erste, der den Zusammenhang zwischen der Lorentz-Transformation und einem vierdimensionalen Raum mit der Zeitkoordinate ist – also mit der Lichtgeschwindigkeit als Konstante – erkannte, war 1905 Henri Poincaré.
Der Minkowski-Raum, das Minkowski-Diagramm und die Minkowski-Ungleichung sind nach ihm benannt, ebenso der Asteroid (12493) Minkowski, ein Mondkrater, die M-Matrizen und der Minkowskiweg in Göttingen.
wurde Sergei Pawlowitsch Koroljow geboren
Sergej Koroljow war ein genialer russischer Ingenieur. Zunächst musste er im 2. Weltkrieg an neuen Triebwerken für Kampfflugzeuge arbeiten. Nach Ende des Krieges sollte er neue Waffensysteme in Form von Langstreckenraketen entwickeln. Aber eigentlich träumte er insgeheim den Traum einer Reise ins Weltall. Er schaffte es, sich durchzusetzen und die Regierung davon zu überzeugen, Raketen auch ins All zu schicken.
Sein erster großer Erfolg war hier der Start des weltweit ersten Satelliten Sputnik 1, der in eine Umlaufbahn um die Erde gebracht wurde und von dort Signale sendete, die weltweit empfangen werden konnten. Dies war der Durchbruch, von nun an konnte Koroljew alles daran setzen, die Raumfahrt weiter voranzubringen.
Mit einer von ihm entwickelten Trägerrakete schaffte er es schließlich, den ersten Menschen (Juri Gagarin) ins Weltall zu befördern. Sein Traum von der Reise ins All hatte sich erfüllt. Leider verstarb er bald darauf und konnte nicht mehr miterleben, wie die ersten Menschen den Mond betraten.
Der 1969 entdeckte Asteroid (1855) Korolev, der Mondkrater Korolev sowie der Marskrater Korolev sind nach Koroljow benannt. Für seine Verdienste um die Raumfahrt wurde er mit der Ziolkowski-Medaille ausgezeichnet. Seit 1967 wird von der Russischen Akademie der Wissenschaften (bis 1991 Akademie der Wissenschaften der UdSSR) die Koroljow-Goldmedaille für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Weltraumraketentechnik verliehen.
wurde Heinrich Friedrich Siedentopf geboren
Siedentopf war 1933 außerordentlicher Professor für Astronomie und zwischen 1940 und 1946 ordentlicher Professor für Astronomie in der Universität Jena. Er arbeitete an der Universitätssternwarte und am Astrophysikalischen Institut. Schwerpunkt seiner Arbeit war die Astrophysik und die Theorie der periodisch veränderlichen Sterne.
1949 wurde Siedentopf als Professor für Astronomie an die Universität Tübingen berufen, zur gleichen Zeit wurde er stellvertretender Direktor des Fraunhofer-Instituts für Sonnenforschung in Freiburg im Breisgau. In Tübingen baute er in den Nachkriegsjahren den Lehrstuhl für Astronomie neu auf.
Im Jahr 1960 veranlasste er den Neubau des Astronomischen Instituts auf der Waldhäuser Höhe. Siedentopf war bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1963 maßgeblich am Aufbau der europäischen Südsternwarte in Chile beteiligt.
Der Krater 'Siedentopf' auf dem Erdmond wurde nach ihm benannt und der 1989 entdeckte Kleinplanet (5375) Siedentopf.
wurde Paul Guthnick geboren
Guthnick wurde bekannt als Spezialist für die Messung von Sternhelligkeiten mittels einer Photozelle auf der Basis der Arbeiten von Julius Elster und Hans Geitel. Dieses als lichtelektrische Photometrie bekannte Verfahren war die erste objektive Methode für die Helligkeitsbestimmung von Sternen. Guthnick entwickelte dieses Verfahren zusammen mit Richard Prager ab 1913 an der königlichen Sternwarte zu Berlin-Neubabelsberg – ab 1918 Universitätssternwarte – zur Perfektion.
Nach seiner Ausbildung zum Astronom arbeitete er ab 1901 als Observator an der königlichen Sternwarte zu Berlin. Er beschäftigte sich mit veränderlichen Sternen und schrieb auch seine Dissertationen über Mira Ceti.
Nach dem Umzug der Berliner Sternwarte und ihrer Fertigstellung in Neubabelsberg wechselte er dorthin und arbeitete an der Untersuchung veränderlicher Sterne mittels der lichtelektrischen Photometrie. Dabei entdeckte er 1918 minimale Helligkeitsschwankungen der Wega. Dieser hellste Stern des Nordhimmels hatte bis dahin als einer der Referenzsterne für Helligkeitsmessungen gedient.
Bereits am 24. Januar 1916 erfolgte die Ernennung Guthnicks zum außerordentlichen Professor für Astrophysik der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität. Schließlich wurde er 1921 Direktor der Sternwarte Berlin-Neubabelsberg. In den folgenden Jahren versuchte er in diesem Institut durch breit angelegte Forschung eine internationale Geltung zu erreichen, was ihm auch gelang. Gleichzeitig lehrte er an der Universität von Berlin Astronomie.
Paul Guthnick entwickelte Anfang der 1920er Jahre die Idee einer fotografischen Himmelsüberwachung zur systematischen Suche nach helligkeitsveränderlichen Sternen über einen langen Zeitraum. 1926 begann Cuno Hoffmeister an der Sternwarte Sonneberg damit, dieses Vorhaben zur Beobachtung des nördlichen Sternenhimmels im Rahmen der Sonneberger Himmelsüberwachung in die Praxis zu überführen. Dieses Projekt läuft bis heute.
Im Jahr 1970 wurde der Mondkrater Guthnick nach ihm benannt.
starb Georg Merz
Merz kam mit 15 als Schürbub in die Glashütte, die Joseph von Utzschneider in dem säkularisierten Kloster eingerichtet hatte, um dort Flint- und Kronglas für das Mathematisch-Feinmechanische Institut in München herzustellen. 1807 kam der junge Joseph Fraunhofer an die Glashütte, aus der bald darauf unter seiner Leitung das Optischen Institut wurde. Fraunhofer erkannte das große Talent von Merz, der sich in seiner Freizeit Optik und Mathematik im Selbststudium beibrachte und rasch zum Vorarbeiter aufstieg.
In dem Unternehmen, das sich von einer Glashütte für optisches Glas in Benediktbeuern zu dem in der Welt unangefochten führenden Unternehmen für den Bau der größten und leistungsstärksten Fernrohre mit Sitz in München entwickelte, lernte Merz das Berechnen und Schleifen von Linsen und Optiksystemen sowie die Herstellung und Montage großer astronomischer Instrumente. Nach einiger Zeit wurde er Fraunhofers Assistent („Amanuensis“) und Werkführer.
Merz und Joseph Mahler vollendeten unter anderem das von Fraunhofer begonnene Königsberger Heliometer. 1835 installierten sie den Refraktor der Sternwarte Bogenhausen mit einem 10 ½ Zoll-Objektiv und 1839 den Refractor von 21 Fuß Länge und 14 Zoll Öffnung der Pulkowa-Sternwarte. Es folgten Aufträge u. a. für die Sternwarten von Bonn, Kiew, Washington, D.C., Cincinnati, für das Harvard-College-Observatorium und aus Moskau, Madrid und Rom.