likra-Stratosphärenballon-Woche
mit der Cuno-Hoffmeister-Schule
36 Kilometer hoch: Sonneberger Schüler schicken ihre Experimente in die Stratosphäre
Zehntklässler der Cuno-Hoffmeister-Schule schickten in der likra-Stratosphärenballon-Woche des Astronomiemuseums der Sternwarte Sonneberg eine selbst gebaute Sonde auf 36 Kilometer Höhe.
Lange zu sehen war der Ballon nicht. Als er am 8. Oktober um 9.39 Uhr vom Gelände der Sternwarte Sonneberg aufstieg, verschwand er schon nach kurzer Zeit in den tief hängenden Wolken. Unter ihm hing eine weiße Styroporkiste mit Kamera, Messtechnik und zwei Experimenten, die die Zehntklässler der Cuno-Hoffmeister-Schule tags zuvor selbst eingebaut hatten. Knapp vier Stunden später war die Sonde wieder am Boden, rund 200 Kilometer Luftlinie entfernt in Dresden-Kaditz, und brachte Bilder und Messdaten aus 36 Kilometern Höhe mit.
Der Start war der Höhepunkt der Projektwoche, die vom 6. bis 9. Oktober in der Cuno-Hoffmeister-Schule und im Astronomiemuseum der Sternwarte Sonneberg stattfand. Dass gerade diese Schule dabei war, kommt nicht von ungefähr: Sie trägt den Namen von Cuno Hoffmeister, der die Sternwarte 1925 gründete, und ist seit Jahren Partnerschule des Museums. Hoffmeister habe neben der Forschung von Anfang an auch die Bildung als zweites wichtiges Standbein der Sternwarte gesehen. MINT hieß das damals noch nicht, aber die Idee war dieselbe. Daran wollen wir heute anknüpfen.
Wir wollen den Jugendlichen Lust auf Naturwissenschaft machen und ihnen zeigen, dass es Spaß macht.
Vor dem Start stand die Theorie. Die Schülerinnen und Schüler beschäftigten sich damit, was die Erdatmosphäre ist, wie sich der Luftdruck mit der Höhe verändert und wie man Auftrieb berechnet. Das war mehr als eine Übungsaufgabe, denn nur mit der richtigen Gasmenge hebt der Ballon die Sonde überhaupt an. Hinzu kamen Funktechnik und Satellitenortung, weil die Sonde unterwegs verfolgt und nach der Landung gefunden werden musste. Ihre Versuchsideen testete die Klasse zunächst am Boden. Die Schülerinnen und Schüler experimentierten dabei selbst, bauten ihre Versuche auf und sammelten eigene Erkenntnisse — Physik zum Anfassen statt aus dem Lehrbuch. Am Mittwoch bauten sie die Sonde in der Sternwarte zusammen.
An Bord waren schließlich Messsonden für Luftdruck, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Ozon und UV-Strahlung sowie zwei Versuche. Sie sollten zeigen, wie stark die ultraviolette Strahlung mit der Höhe zunimmt. An einer Chlorophyll-Probe lässt sich die Wirkung der Strahlung auf den Pflanzenfarbstoff beobachten, UV-Perlen verfärben sich unter ultravioletter Strahlung. Eine Kamera hatte beide im Blick. In der Stratosphäre, die in unseren Breiten in zehn bis zwölf Kilometern Höhe beginnt, liegt die Ozonschicht, die einen großen Teil der UV-Strahlung der Sonne schluckt. In 36 Kilometern Höhe beträgt der Luftdruck weniger als ein Hundertstel des Werts am Boden. Auf den Aufnahmen ist der Himmel dort tiefschwarz, am Horizont zeichnet sich die Erdkrümmung ab.
Dass die Bilder live am Boden ankamen, dafür sorgten die Funkamateure des Ortsverbands X29 Sonneberg im Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC). Fünf Schülerinnen und Schüler folgten dem Ballon gemeinsam mit ihrer Lehrerin und Betreuern im Vereinsbus der likra. Ein solcher Wetterballon aus Latex dehnt sich mit abnehmendem Außendruck auf ein Vielfaches seiner Startgröße aus, bis die Hülle reißt und die Sonde am Fallschirm zur Erde sinkt. Um 13.30 Uhr, nach 3 Stunden und 51 Minuten, ging sie in Dresden-Kaditz nieder. Die Verfolger hatten Glück: Die Kiste landete weder in einem Baumwipfel noch auf einem Dach, sondern lag gut sichtbar mitten auf einer Wiese. Die mühsame Suche in unwegsamem Gelände blieb ihnen erspart.
Finanziert hat die Projektwoche die Licht- und Kraftwerke Sonneberg (likra). Das Astronomiemuseum dankt dem Unternehmen ebenso wie dem Ortsverband X29 und der 10. Klasse für die Zusammenarbeit.

















Die Landung in Dresden





Das Experiment
links: Chlorophyll grün Mitte

Chlorophyll grün,
UV-Perlen noch schwach

Chlorophyll bräunlich durch UV-Strahlung,
UV-Perlen leuchte stärker

Chlorophyll durch UV-Strahlung zerstört,
UV-Perlen richtig stark gefärbt

